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Das Comeback der Adventure Games

Adventure Games sind zurück! Nach einem ziemlich schlechten Jahrzehnt, erlebt das Genre ein wahres Comeback.

Früher war es fast nicht möglich durch einen Gamestore zu gehen, ohne über ein Regal mit Adventure Spielen zu stolpern. Monkey Island, Myst, Grim Fandango, Leisure Suit Larry… die Liste der Spiele war nahezu endlos. Aber der Aufstieg von Ego-Shootern zu Beginn des Jahrhunderts, sorgte mitunter für den Untergang dieses beliebten Genres. Ironischerweise ist es das Unternehmen Valve – das damals das goldene Zeitalter der Shooter mit Half-Life eingeläutet hat – welches für das Comeback der Adventure Spiele teilweise mit verantwortlich ist. Ein Comeback? Nun, wenn man das neu veröffentlichte The Witness, Firewatch und dann noch No Man’s Land berücksichtigt – welches noch in diesem Jahr erscheinen wird – wie sonst sollte man von dieser Entwicklung sprechen?

Die Anfänge

Viele Menschen würden Colossal Cave Adventure (1976) als das erste Adventure Spiel aller Zeiten bezeichnen. Wie viele Spiele zu dieser Zeit, hatte auch dieses noch keine Grafik. Heutzutage geben wir uns nicht mit weniger als 1080p und 60fps zufrieden, aber damals waren wir über ein paar einfache Textabschnitte auf dem Bildschirm absolut glücklich. Das Spiel beschreibt eine mysteriöse Höhle, die es als Spieler zu erforschen gilt, indem man über die Tastatur Befehle eingibt.

Spiele wie Adventure (1979) und Rogue (1980) präsentierten sich schon in einem einfachen grafischen Gewand, doch Charaktere und Monster waren für gewöhnlich nicht mehr als ein paar Pixelquadrate. Beim ersten echten grafischen Adventure handelt es sich um Mystery House. Aber auch in diesem Spiel war die Umgebung zum größten Teil statisch, einfache Bilder illustrierten lediglich das sonst textbasierte Gameplay.

Nach der Entwicklung der Computermaus hat es nicht lange gedauert bis das Point-and-Click eingeführt wurde. Statt das Gameplay an Befehle zu binden, konnten Spieler erstmals zwischen unterschiedlichen Aktionen wählen. Sogar Interaktionen mit bestimmten Objekten in der Spielwelt war zu einem gewissen Grad möglich. Lucasarts schaffte es an die Spitze dieses Genres mit Klassikern wie Monkey Island, Day of the Tentacle und Grim Fandango.

Wie dem auch sei, grafische Innovationen folgten erst mit Myst. Statt Befehlen oder zweidimensionaler Wegfindung wie bei den meisten Point-and-Click Adventure Spielen, konnte man sich in der Welt von Myst frei bewegen. Naja, man musste noch immer klicken um sich zu bewegen (man denke da an Google Streetview) und das angezeigte Bild war noch immer recht starr. Aber mit den eindrucksvollen Grafiken und den anspruchsvollen Puzzles, ebnete das Spiel den Weg für viele jüngst erschienenen Adventure Spiele.

Der Untergang

Mit dem Fortschritt in Bezug auf 3D Grafiken, hat ein anderes Genre seinen Platz in der Spielegemeinde gefunden. Für viele Menschen war Wolfenstein 3D (1992) sehr unangebracht, da es gewalttätiges Gameplay und überflüssige Nazi Symbolik präsentierte. Dieses Spiel hat aber die Basis für Doom gelegt, einem Spiel, dass das Genre mit innovativem Leveldesign und bahnbrechenden Techniken wie Multiplayer definieren sollte. Das Spiel prägte sogar den Modus “Deathmatch”.

Großartige Spiele wie Duke Nukem 3D (1996), Quake (1996) und GoldenEye (1997) verhalfen dem Genre zu noch mehr Beliebtheit, aber letztendlich ist es Half-Life gewesen, das die nächste Generation der Shooter revolutionieren sollte. Zum ersten Mal ging es in einem Shooter um eine Story und wie sie präsentiert wird, statt simplem Geballer. Die Welt, in der man gespielt hat, war überzeugend, die Story fesselnd und das Gameplay ebenfalls sehr gut. Und während Half-Life Mods wie Counter-Strike den Weg für Online Mehrspieler Shooter geebnet haben, folgten mit Halo auf der Xbox weitere Shooter, die mit ihrer Story zu glänzen wussten.

Der Gaming Sektor wurde zu Beginn des Jahrtausends von Shootern dominiert. Halo, Call of Duty und Battlefield waren immer an der Spitze der Verkaufscharts, zu denen sich später auch Spiele wie Far Cry und Bioshock einreihen sollten.

Sicherlich blieben Spiele wie Tomb Raider und The Elder Scrolls auch in diesen Jahren weiterhin beliebt. Aber auch wenn sie technisch gesehen Adventure Spiele sind, konzentrierten sich diese Titel eher auf andere Elemente, wie z.B. Action oder Rollenspiel. Die eigentlichen Adventure Spiele, die von einer Handlung und Story getrieben worden sind, wurden mit der Zeit selten.

Allmählicher Erfolg

Trotzdem… wie wir am Anfang des Artikels erwähnt haben, war es ironischerweise das Unternehmen Valve, das dem Adventure Genre wieder zu etwas mehr Beliebtheit verhalf. Die Valve Plattform Steam hatte ursprünglich den Zweck, das Aufgebot an Patches zu erleichtern und nebenbei Piraterie zu stoppen. Aber schon bald zeigten auch andere Unternehmen Interesse, weshalb es seit 2005 möglich ist, auch Spiele anderer Unternehmen auf Steam zu kaufen, herunterzuladen und zu spielen.

Genau aus diesem Grund stellt die Plattform eine gut Chance für unabhängige Entwickler dar, da man nicht erst mit einem Publisher verhandeln muss oder gar auf einen angewiesen ist. Unter diesen “Indie” Entwicklern gab es viele Hardcore Gamer, die sich gerne an „bessere Zeiten“ zurückerinnerten, als noch LucasArts das Genre beherrschte. Es dauerte nicht allzu lange, bis sie ihre eigenen Adventures vollendet hatten. Spiele wie das hinreißende Machinarium, das mysteriöse Superbrothers oder das düstere LIMBO brachten sich mit eigener Variante ein und waren auf Steam durchaus erfolgreich.

Auch auf anderen Plattformen hat das Genre wieder an Beliebtheit gewinnen können. Gamer aller Generationen hatten Spaß an den Puzzle Abenteuern von Professor Layton auf dem (3)DS und auch das iPad zeigte sich als durchaus geeignet für dieses Genre. Und was ist mit Telltale Games, dem Unternehmen, das es geschafft hat, fortlaufend erfolgreiche Story basierte Spiele über Walking Dead oder Zurück in die Zukunft zu produzieren?

Der Wiederaufstieg

Der allmähliche Erfolg wird aufgrund der Double Fine Adventure Kampagne von Tim Schafers (ehemals LucasArts) Unternehmen Double Fine fast in den Schatten gestellt. Anfang des Jahres 2012 bat er auf Kickstarter um 400.000 Dollar, um ein neues Point-and-Click Adventure produzieren zu können. Filmemacher würden volle Einsicht in den Entwicklungsprozess erhalten und Gamer, die in das Spiel investierten, durften den Dokumentarfilm dann auch sehen. Das Ergebnis: Eine Gesamtinvestition in Höhe von 3,4 Millionen Dollar.

Damals hat das sämtliche Rekorde auf Kickstarter gebrochen und die daraus resultierende Medienaufmerksamkeit machte Entwicklern bewusst, dass dies eine funktionsfähige Finanzierungsmöglichkeit darstellt. Und plötzlich entschieden sich Unternehmen alten Titeln wie Leisure Suit Larry und Broken Sword neues Leben einzuhauchen. Gabriel Knight und Grim Fandango wurden sogar neu gemastert.

Ein weiteres Beispiel ist Thatgamecompany, ein Unternehmen, dass das bezaubernd schöne Spiel Journey produzierte. Ein Spiel, das  – ohne jeglichen Dialog – schafft eine Geschichte zu erzählen, die keinen Anfang und kein Ende besitzt. Die episodenhafte Herangehensweise, die Telltale Games nutzte, resultierte in herausragenden Spielen wie Life is Strange. Ähnliche Spiele funktionieren auf mobilen Endgeräten ebenso prächtig.

Mittlerweile ist das Adventure Genre stärker als jemals zuvor. Im Jahre 2015 waren Spiele wie Everybody’s Gone to the Rapture und The Vanishing of Ethan Carter unter den meist gefeierten Titeln. Und als Gamer zu Beginn des Jahres endlich The Witness spielen durften, wurden sie nicht enttäuscht. Mit Firewatch und No Man’s Sky am Adventure Horizont, verspricht das Jahr 2016 ein großartiges zu werden.

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